Wie funktioniert die Vorhersage?
Alle 10 Minuten erhalten wir die Aaretemperatur beim Schönausteg in Bern. Daraus berechnen wir eine Vorhersage bis zu 48 Stunden im Voraus.
Das Analogverfahren
Wir durchsuchen knapp 50 Jahre historische Aaredaten und finden die ~200 Tage, die der aktuellen Situation am ähnlichsten waren: gleiche Jahreszeit, gleiche Wassertemperatur, gleiches Abflussvolumen, ähnliche Wetterprognose. Aus dem damaligen Verlauf der Aare berechnen wir, wie sie sich heute entwickeln wird.
Wir berücksichtigen dabei nicht nur den aktuellen Zustand, sondern auch die Richtung: Wärmt die Aare gerade auf oder kühlt sie ab? Kündigt sich ein Temperatursturz oder ein Hochdruckgebiet an? So wählen wir Vergleichstage aus, deren Wetterentwicklung mit der heutigen übereinstimmt.
Auf eine typische Anfrage prüfen wir 50'000–80'000 historische Messwerte und wählen daraus die 200 ähnlichsten aus. Diese 200 «Analoge» stimmen anschliessend darüber ab, wie die Aare in den nächsten Stunden verlaufen wird.
Verwendete Daten
Wassertemperatur & Abfluss (BAFU, seit 1981 – über 2 Mio. Messungen)
Wetterprognose & Sonnenstrahlung (Open-Meteo)
Sonnenstand relativ zu Sonnenauf- und -untergang in Bern
Temperaturtrend der letzten 2 Stunden (aufwärmend oder abkühlend)
Klimakorrektur für langfristige Erwärmungstrends der Aare
Genauigkeit
Gemessen über 4 Jahre Testdaten (2022–2025) mit 8'700 Testpunkten:
Horizont
Typische Abweichung
Qualität
30 Min.
0.04°C
nahezu exakt
1 Stunde
0.06°C
nahezu exakt
48 Stunden
0.55°C
zuverlässig
9 von 10 Mal liegt die 48h-Vorhersage innerhalb von ±1.3°C des tatsächlichen Wertes.
26 Entwicklungsrunden
Das Modell wurde in 26 systematischen Entwicklungsrunden verbessert. Zwischen der ersten Version (V1) und dem aktuellen Modell (V9) konnte der typische Fehler bei 24-Stunden-Vorhersagen um 19% und bei 48-Stunden-Vorhersagen um 23% reduziert werden. Die grössten Verbesserungen kamen nicht durch neue Datenpunkte, sondern durch das Entfernen falscher Annahmen im Modell.
Wo stösst das Modell an Grenzen?
Bei starken Regenfällen in den Berner Alpen kann die Aare innerhalb von 24h um bis zu 6°C abkühlen. Solche Ereignisse sind mit Berner Wetterdaten allein schwer vorherzusagen – die Aare reagiert auf Schmelzwasser aus dem gesamten Einzugsgebiet im Oberland.
An Tagen kurz vor einem solchen Kälteeinbruch sehen die Messwerte in Bern völlig normal aus. Das Modell kann deshalb nicht wissen, was 24 Stunden später aus den Alpen kommt. Die gute Nachricht: Wenn der Kälteeinbruch dann tatsächlich eintrifft, ist die Aare meist auch so stark und trüb, dass man ohnehin nicht schwimmen möchte.
Modell V9 · 26 Entwicklungsrunden · Analogpool 1981–2021